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WIN Strategie für Hauptregionen

Die WIN (= Wir in Niederösterreich) Strategien zeigen auf, was passieren muss, um unsere Region fit für die Zukunft zu machen. Sie sind auf einen Zeithorizont von fünf bis zehn Jahren abgestimmt.

Dabei werden alle Bereiche des täglichen Lebens, von der Wirtschaft, über den Verkehr bis zum Siedlungswesen, vom Tourismus sowie der Land- und Forstwirtschaft bis hin zur Umwelt behandelt. Auch die soziale Infrastruktur, die Ver- und Entsorgung sowie die Chancen der EU-Erweiterung werden behandelt. Für jedes Thema werden im Folgenden Ziele und Umsetzungsstrategien beschrieben.

Siedlungswesen

  • durch regional differenzierte und abgestimmte Siedlungsentwicklung der unterschiedlichen Ansprüchen und Standortqualitäten gerecht werden
  • durch attraktive Nahversorgung zur Erhaltung und Belebung der Orts- und Stadtkerne bzw. Siedlungsstrukturen beitragen

Für die Bereiche entlang der dynamisch wachsenden Westachse und die ländlich geprägten Landschaften des Alpenvorlandes und des südlichen Waldviertels sind eigene Entwicklungsplanungen zu verfolgen. Diese orientieren sich an den jeweiligen Ansprüchen und Standortqualitäten. Eine darauf abgestimmte Siedlungsentwicklung sichert die hochwertige Lebens- und Naturraumqualität der Gesamtregion. Die Förderung der bestehenden Nahversorgung sowie die Revitalisierung und Neunutzung typischer Gebäude (wie z.B. Vierkanter, Dörrhäuser) trägt zur nachhaltigen Erhaltung der typischen Kulturlandschaften sowie zur Attraktivierung und Belebung der Ortszentren bei.

Wirtschaft

  • Gemeinden, Technologie- und Bildungseinrichtungen kooperieren besser, um gemeinsame Schwerpunkte zu finden und Cluster zu formen
  • bestehende Unternehmen konzentrieren sich stärker auf regionale Kompetenzen
  • Arbeitsmarkt durch neue auf die lokalen Besonderheiten abgestimmte Arbeitsplätze stabilisieren
  • hohes Niveau der Qualifizierungs- und Ausbildungsangebote sichern
  • Wirtschaftsentwicklungsachsen weiter fördern
  • regionale Wirtschaft durch mehr veredelte Produkte anregen
  • länderübergreifende Kooperation und Abstimmung soll insbesondere mit Oberösterreich stattfinden

Eine abgestimmte Strategie der Technologie-, Bildungs- und Qualifizierungseinrichtungen ist im Mostviertel unerlässlich. Angestrebt wird eine „Lernende Region“ Linz – Amstetten – Enns – Steyr – Waidhofen an der Ybbs. Dafür müssen bestehende Bildungskooperationen zwischen den Fachhochschulen Krems a. d. Donau, Wieselburg, Steyr, Hagenberg, Waidhofen a. d. Ybbs und Amstetten ausgebaut werden.

Führungs- und Nachwuchskräfte werden im Rahmen solcher Kooperationen in regional wichtigen Branchen geschult. Das sichert den Bestand vieler Betriebe und positioniert die „Marke Mostviertel“ besser. Gemeinden im Norden und Süden des Mostviertels können ihre hohe Lebensqualität speziell für kleine und mittlere Betriebe, die nicht auf hochrangige Infrastruktur angewiesen sind, offensiver vermarkten. Die Entwicklungsachsen des Mostviertels haben durch den Ausbau des Donauhafens Enns-Ennsdorf noch weitere Wachstumschancen.

Verkehr

  • öffentlichen Verkehr besonders im ländlichen Raum attraktivieren
  • bundesländerübergreifende Zusammenarbeit im Bereich Verkehrswesen fördern
  • Verkehrsmittel Schiene und Straße für Güter- und Personenverkehr ausbauen

„Alternative“ Verkehrsangebote, wie etwa Sammeltaxis, sind sinnvolle Einrichtungen für die dünner besiedelten Regionen. Der öffentliche Verkehr wird aber auch durch „klassische“ Verbesserungen wie zusätzliche Park & Ride Anlage oder bezirks- und länderübergreifendes Mobilitätsmanagement vor allem im Norden und Süden des Mostviertels verbessert. Die Anbindung des Mostviertels an das hochrangige Schienennetz ist durch die in Ausbau befindliche zukünftig viergleisige Westbahn gegeben und fördert den Umstieg der PendlerInnen auf den öffentlichen Verkehr in Richtung St. Pölten/Wien bzw. in den Großraum Linz. Für den Tourismus wichtig sind verbesserte Betriebskonzepte für die Mariazellerbahn, die Ybbstalbahn und die Strecke Lunz am See - Kienberg/Gaming. Im Straßenbau geht es ebenfalls vor allem um Nord-Süd-Verbesserung in der Anbindung an die Westautobahn
(A1) sowie um punktuelle Maßnahmen wie z.B. Ortsumfahrungen zur Entlastung der Ortskerne vom Durchzugsverkehr. Im Südwesten des Mostviertels stärkt ein Ausbau der B121 (Amstetten - Waidhofen a. d. Ybbs - Weyer) die innerregionale Erreichbarkeit.
Die Donauschifffahrt im Struden- und Nibelungengau ist nicht nur für die touristische Nutzung von Bedeutung, sondern, wenn der Donauhafen Enns/Ennsdorf ausgebaut wird, ein echter Wirtschaftsfaktor. Für Fluggäste bietet sich der nahe Flughafen Linz an.

Soziale Infrastruktur

  • regionale Identität vermitteln
  • Qualität bei den Bildungsangeboten und damit Standorte sichern
  • Kooperation am Arbeitsmarkt kann neue Initiativen und Maßnahmen schaffen
  • ländlichen Raum durch dezentrale öffentliche Dienstleistungen stärken
  • räumliche und soziale Barrieren durch Politik für Chancengleichheit und Generationenaustausch abbauen
  • Gesundheitsvorsorge und -prävention fördern

Das hohe Qualifikationsniveau der Bevölkerung im Mostviertel ist wichtig, weil es der Region einen Wettbewerbsvorteil verschafft. Wichtig ist auch eine gute Versorgung mit öffentlichen Dienstleistungen, die in vielen Gemeinden aber abgebaut werden. Kommunale Zweckverbände können helfen, solchen Trends nachhaltig entgegenzuwirken. Es wird in ländlichen oder traditionell benachteiligten Gebieten auf Chancengleichheit in der Familie, aber auch zwischen Jung und Alt hingearbeitet. Diese offensive Generationenpolitik versucht sowohl die Angebote für die Jugendlichen zu erweitern, als auch das betreute Wohnen für die Alten zu fördern und ausreichend Betreuungsplätze für Kinder zu schaffen.

Ver- und Entsorgung

  • alternative Energiegewinnung und -versorgung fördern
  • Wasserqualität durch geordnete Ver- und Entsorgung sichern und erhalten
  • Abfallwirtschaft und Abfallvermeidung stärker vernetzen
  • Internet/Breitbandtechnologie vor allem in dünn besiedelten Teilen des Mostviertels ausbauen

Die Land- und Forstwirtschaft des Mostviertels bietet besonders im Süden und Norden sehr gute Bedingungen für Biomasse- und Hackschnitzelkraftwerke.
Gleichzeitig ist hier eine dezentrale Energieversorgung attraktiv. Der Rohstoff Holz kann in Zukunft noch stärker zur regionalen Wertschöpfung beitragen. Der alpine Süden muss als wichtigster Wasserspeicher in Abstimmung mit anderen Nutzungen wie Siedlungswesen, Tourismus und Wirtschaft auch in Zukunft besonders streng geschützt werden.

Naturraum und Umwelt

  • Hochwasserschutz und Gewässerqualität verbessern
  • neue Einkommensmöglichkeiten für LandwirtInnen durch Landschaftspflege erschließen
  • Obstbäume und Mostviertler Streuobstwiesen erhalten

Nur wenn die wertvolle Mostviertler Natur erhalten und verbessert wird, sind Erholungswert und touristische Qualität gesichert. Durch Landschaftsrahmenpläne und andere Instrumente einer vorausschauenden Raumplanung kann eine ökologisch stabile Umwelt erhalten werden. Im nördlichen wie südlichen Mostviertel muss die fortschreitende Verwaldung, die durch Brachen oder stillgelegte Höfe verursacht wird, gestoppt werden. Die Streuobstwiesen, das Mostviertler Obst und die vielfältigen Produkte daraus sind von großer Bedeutung. Der Bestand ist aber gefährdet. Mehr Förderungsmaßnahmen von Bundes- und Landesseite genauso wie Baumpatenschaften wären nötig.

Freizeit, Erholung, Tourismus und Kultur

  • Kooperation in der länderübergreifenden Tourismusentwicklung fördern
  • Donauschifffahrt lässt hohen touristischen Nutzen erwarten
  • Sommertourismus stärken, Wintertourismus logistisch verbessern
  • Kooperation zwischen Tourismus und regionalen Produktmarken unterstützen

Das touristische Angebot entwickelt dann einen Mehrwert, wenn lokale Tourismusorganisationen wie Strudengau, Nibelungengau oder die Wachau zusammenarbeiten. Dies geschieht z.B. bei der Donauschifffahrt und dem Donau-Radtourismus bereits. In der „Eisenwurzen“ oder auch für die Moststraße bedeutet das die Kooperation mit oberösterreichischen und steirischen Verbänden. Regionalwirtschaftlich ist der Sommertourismus schwächer entwickelt als der Wintertourismus. Deshalb müssen neue Sommerangebote entwickelt werden. Der Wintersport kann durch logistische Maßnahmen (z.B. gemeinsame Liftkarte für Hochkar und Ötscher, mehr Werbung in den Nachbarländern) noch gewinnen.
Viele Angebote sind gänzlich neu und haben große Zukunftschancen: Der Ostarrichi-Kulturhof in Neuhofen a. d. Ybbs soll neu konzipiert und zu einem „Treffpunkt Mitteleuropa“ ausgeweitet werden. Schullandwochen, Projekt- und Sportwochen bringen außerhalb der Hauptsaison Einnahmen, Messe- und Wirtschaftstourismus gibt es in Wieselburg.

Land- und Forstwirtschaft

  • Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Gastronomie, Gewerbe und Tourismus fördern
  • neue Markenprodukte entwickeln
  • laufende Aus- und Weiterbildung der LandwirtInnen sicherstellen
  • Kulturlandschaftspflege durch Alm- und Weidewirtschaft sichern

Im Lebensmitteltechnologiezentrum Wolfpassing und an landwirtschaftlichen Fachschulen wie Wieselburg werden neue Produktionsweisen getestet und alternative Produkte geschaffen. Der „Mostviertler Birnmost“ ist bereits eine erfolgreiche und durch die EU geschützte Marke. Neue erfolgsversprechende Produkte sind Blumen, Flachs, Stroh als Baustoff, pharmazeutisch verwertbare Pflanzen, Gewürze, Schaf- und Ziegenmilch sowie Lammfleisch. Neue Verkaufschancen gibt es über Internetbörsen und auf dem globalen Markt (z.B. „Most als österreichischer Cider“).
Wenn die LandwirtInnen sich intensiv auf diese Veränderungen vorbereiten können, werden Zusatzeinnahmen möglich, und viele Betriebe können im Haupterwerb bleiben. Die Alm- und Weidewirtschaft ist sehr wichtig für die Pflege der alpinen Kulturlandschaft und verringert die Verwaldungsgefahr.

EU-Erweiterung und Integration

  • neue Marktchancen auch für das Mostviertel wahrnehmen
  • Straßen- und Schienennetz in Richtung Tschechien ausbauen
  • Kultur- und Austauschprogramme mit den Nachbarländern fördern

Das Mostviertel grenzt nicht an die neuen EU Länder. Deshalb werden die Chancen, sich wirtschaftlich dort zu profilieren, nicht so stark wahrgenommen wie in anderen niederösterreichischen Landesteilen. Es ist aber eine verstärkte wirtschaftliche Kooperation notwendig, um hier neue Absatzmärkte etwa für Qualitätsprodukte der Mostviertler Bauern zu schaffen. In umgekehrter Richtung gibt es immer mehr WintertouristInnen, vor allem aus Ungarn, aber auch aus Tschechien und der Slowakei. Auf die Ansprüche dieser Gäste muss noch stärker reagiert werden, z.B. durch mehrsprachige Gästeinformationen oder Werbefolder.

>> Perspektiven für die Hauptregion (PDF)